Schlagwörter

, , ,

Die Geschichte des “Deutschen Requiems” reicht im Grunde genommen bis in die Jugend von Johannes Brahms zurück, der mit zwanzig Jahren erstmals seine Heimatstadt Hamburg verließ. Das frühere unerkannte Wunderkind aus kleinbürgerlichen Verhältnissen war durch seinen Klavierunterricht bei Hamburgs bedeutendstem Musiklehrer, Eduard Marxsen, zu einem reifen Pianisten herangewachsen.


So ging er im April 1853 mit dem Geiger Eduard Reméryi auf Konzertreise durch Deutschland. Unterwegs lernte er bedeutende Persönlichkeiten kennen, die auf sein Leben großen Einfluss nehmen sollten. So traf er auch Clara und Robert Schumann, mit denen er sich schnell anfreundete. Robert war so begeistert über das junge Talent, dass er in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ einen glühenden Artikel veröffentlichte und Brahms regelrecht zum Messias zukünftiger Musik hochstilisierte. Schon zum Jahresende 1853 erschienen in Leipzig erste Werke von Brahms in Druck, in den folgenden Jahren studierte er Kontrapunkt mit Joseph Joachim und befasste sich intensiv mit der Vokalmusik alter Meister. Daneben betätigte er sich als Chorleiter und Dirigent, war Leiter eine Frauenchores in Hamburg und später der Chormeister der Wiener Singakademie.

Der Tod seines Freundes und Mentors Robert Schumann im Jahr 1856 war ein schwerer Schlag für ihn. Vielleicht ist bereits der im November 1858 in Detmold entstandene „Begräbnisgesang“ op. 13 als Reaktion darauf zu betrachten.

Unmittelbarer Anlass zur Entstehung des Requiems war möglicherwiese der Tod der Mutter im Februar 1865, doch gehen erste Entwürfe wohl bereits auf 1861 zurück, dem fünften Todesjahr Schumanns. Das Werk erhielt seine heute bekannte Gestalt nur allmählich. Der vorletzte Satz war im April 1865 beendet, die ersten beiden Sätze zumindest skizziert; im Sommer 1866 war die Partitur der ersten Fassung abgeschlossen. Ebenso „häppchenweise“ wurde das Requiem der Öffentlichkeit vorgestellt: Die ersten Sätze erklangen am 1. Dezember 1867 in Wien. Nach der Aufführung nahm Brahms umgehend Änderungen vor.

Die eigentliche Uraufführung folgte am 10. April 1868 im Bremer Dom. Unter Leitung des Komponisten sangen etwa 200 Chorsängerinnen und -sänger und es musizierte ein Orchester mit allein 24 Violinen.

Erst nach dieser Aufführung komponierte Brahms den 5. Satz, die erste vollständige Aufführung unternahm Adolf Schubring im Dezember 1868 in Dessau. Diesmal mit nur 12 Chorsängerinnen und -sängern und Klavierbegleitung. Eine konzertante Premiere fügte sich im Februar 1869 unter Carl Reinecke im Leipziger Gewandhaus an. Das „Deutsche Requiem“ wurde schließlich über alle Maßen erfolgreich und festigte Brahms´ Ruf als Komponist von Rang: Für die Zeit zwischen 1869 und 1876 lassen sich bereits 97 Aufführungen in ganz Europa nachweisen.

Brahms war von Hause aus Protestant, doch stellte er die Texte für sein Werk ausdrücklich im überkonfessionellen Sinn aus der Bibel zusammen: Er wollte eine Trauer- und Trostmusik für Menschen an sich schreiben, sonst hätte er ja schlicht die bekannte, lateinische Requiems-Liturgie vertonen können. So sagte er selbst, dass er im Titel „…recht gern auch das „Deutsch“ wegließe und einfach „Menschen“ setzte.“

Der Wiener Kritiker-Papst Eduard Hanslick schrieb 1875 mithin treffend: „In Brahms´ Requiem sehen wir mit den reinsten Kunstmitteln das höchste Ziel erreicht, Wärme und Tiefe des Gemüts bei vollendeter technischer Meisterschaft, nichts sinnlich blendend und doch alles ergreifend; keine neuen Orchester-Effekte, aber neue, große Gedanken und bei allem Reichtum, aller Originalität die edelste Natürlichkeit und Einfachheit.“
Quelle: Dr. B.-G. Cohrs